Geschichte der Diakonie in Niederberg

Die institutionalisierte diakonische Arbeit drückt sich erstmals in dem Vertrag vom 30. Oktober 1898 aus: Der Präses des Velberter Presbyteriums, Pastor Hermann, schloss mit der Direktion des Diakonissen-Mutterhauses in Kaiserswerth einen Vertrag über die Entsendung von Diakonissinnen zur Hilfe bei alten und kranken Menschen in Velbert. Die Tätigkeiten und Aufgabenkreise der Schwestern waren hier genau festgelegt, u. a. sahen sie auch die Einrichtung einer Näh-, Strick-, und Flickschule vor. Die erste Schwester, die nach Velbert kam, hieß Emilie Dörries.

Nach dem Schrecken des Nationalsozialismus trat im Sommer 1945 die Stadtverwaltung Velbert an die beiden Kirchengemeinden heran mit dem Ziel, je eine evangelische und katholische Jugendhilfe zu etablieren. Der evangelische Gemeindedienst für Innere Mission führte daraufhin den Zusatz „Evangelische Jugendhilfe“ und bezog ab 1. August 1945 ein Zimmer im ehemaligen Gemeindeamt. Die Fürsorgerin M. von der Heyden bekam einen Helfer zur Seite gestellt, später noch einen Jahrespraktikanten. Anfangs war man insbesondere mit dem Flüchtlingsproblemen beschäftigt, Vertriebene mussten umquartiert werden. Bis zur Währungsreform gab es viele Fälle von Diebstahl unter den Jugendlichen. Auch die Unehelichkeitserklärungen der Kinder, die von Ehefrauen während der Abwesenheit der Ehemänner geboren wurden, machten viel Arbeit. Eheberatung war hier schon ein Schwerpunkt in der Arbeit. Auch Vergehen und Verbrechen auf sexuellem Gebiet wurden schon beklagt und machten Opfer- wie Täterarbeit nötig.

In der Sitzung des Diakonie- und Hilfswerkausschusses vom Februar 1957 unter Leitung von Presbyter Hottgenroth wurden folgende Gelder zur Verfügung gestellt:

a)    3000 DM für Kinderkuren

b)    1000 DM Pakete für in die sowjetische Besatzungszone

c)      600 DM für Betreuung von Besuchern aus der sowjetischen Besatzungszone

d)    1000 DM für Müttererholung

Der Diakonieausschuss vom 30. Juli 1970 diskutiert im Dienstzimmer von Frau von der Heyden in der Grünstraße 11 über das Problem der Nachfolge von Schwestern aus dem Mutterhaus in Kaiserswerth.

Unter Leitung des Diakonie-Kirchmeisters Dr. Haske sieht der Diakonieausschuss im Mai 1972 eine mögliche Lösung in Qualifizierungskursen für Schwesterhelferinnen.

Anfang 1977 wird die Einrichtung einer Sozialstation erwogen; der Sozialarbeiter Heiko Boekstegers berichtet über die Errichtung von Diakoniestationen in anderen Regionen. Boekstegers wird beauftragt, in Kontaktgesprächen mit den übrigen Kirchengemeinden zu überzeugen. Superintendent Boernke will als Beauftragter des Diakonischen Werkes der evangelischen Kirchengemeinden in der Stadt Velbert diese Gemeinden ausdrücklich einladen. Erst 1979 wird dem Presbyterium durch den Geschäftsausschuss empfohlen, eine Diakoniestation in der Stadt Velbert einzurichten und dem Diakonischen Werk Velbert zu zuordnen. Die Diakoniestation nimmt ihre Arbeit am 01.07.1979 in der Kurzen Str. 5 auf, in der ehemaligen Wohnung von Pastorin Leucht. Zunehmend werden die Schwestern in der Pflegearbeit eingesetzt, die Gemeindearbeit wird nach und nach zurück gedrängt.

Mit dem Beginn des Jahres 1979 trat die Neustrukturierung des Werkes in Kraft:
Die fünf evangelischen Kirchengemeinden im Bereich der Stadt Velbert sind nun gemeinsam Träger des Diakonischen Werkes als „e.V.“ Die bisher noch selbstständigen Diakonischen Werke in Langenberg und Neviges wurden mit in das gemeinsame Werk eingezogen. Schließlich wird 1996 das „Diakonische Werk im Kirchenkreis Niederberg e.V.“ gegründet, zu dem der Kirchenkreis Niederberg selber und die Kirchengemeinde Heiligenhaus hinzukommen.

Mit Wirkung vom 01.01.2012 wird die Diakoniestation durch Beschluss der Mitgliederversammlung in eine gemeinnützige Gesellschaft ausgegliedert und trägt ab jetzt den Namen „Diakoniestation Niederberg Pflege zu Hause gGmbH“. Das Diakonische Werk ist 100%iger Gesellschafter.